Menschentypen

Ich ging weg. Ohne Aufwiedersehn zu sagen, wie eine Diebin oder wie jemand der nichts wertvolles hat, mitzunehmen. Ich ging weg. Ohne Absicht. Auch nicht durch Zufall, das wäre gewagt zu sagen oder einfach eine gute Ausrede.

Am Anfang tat es mir Weh und das Leid machte mich darauf aufmerksam, dass es doch etwas wertvolles gab, was zurückgeblieben war. Ich wollte abhauen. Nein, das war auch nicht in meinen Sinnen. Ich wollte alleine sein. Ich wollte es nicht bewusst. Vielleicht wollte ich mich von einem Gewicht befreien, mich mal auch in der Leichtigkeit spüren. Ich wollte mich befreien von einer Existenz, die nie linear war: Immer zu holprig, unordentlich. Schwer.

Ich kam hier an und ich hielt erstmal an diesem Gewicht fest. Das scheint mir jetzt ein Hindernis gewesen zu sein aber damals war es nur eine Gelegenheit mich zu spüren. Zu Hause zu sein. Deutschland war das Land meiner Sehnsüchte. Und da blieb sie. Ich traf nie die gestrebten Philosophen meiner Jugend und auch nicht einen blonden Hölderlin, der mir Gedichte schrieb. Ich wurde immer wieder zurückgeschickt auf meine ursprüngliche Identität. Ich war faul, trank die meiste Zeit Espresso auf der schönen Piazza und hatte einen sehr starken italienischen Akzent, den ich nicht hören konnte. Die Realität verlangte von mir ein Stereotyp. Diesen Anspruch konnte ich leider nie erfüllen und das wurde mein Unglück. Deutschland war nicht das, was ich ertwartet hatte und ich war nicht diejenige, die Deutschland von mir verlangte. Alles wurde zu einem großen Missvertändnis und ich erkrankte.

Es war einmal ein blondes lockiges kleines Mädchen, das eines Tages sich in ein orangefarbiges blumiges Kleid verliebte. Ihre Mutter liebte es sehr und sie kaufte ihm das schöne Kleid. Am nächsten Tag fuhr die Mutter weg. Das kleine Mädchen blieb alleine mit dem schönen Kleid. Es war ein schöner heller Sommertag. Sie wärmte sich an der Sonne und fühlte sich geborgen.

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Wartezimmer

Ich sehe sie, ich habe sie durchschaut. Ich nehme sie wahr. Sie sitzt neben mir. Mit dem Kopf nach unten versteckt sie ihr Gesicht hinter den Gardinen der lagen Haaren. Sie schliesst die Augen und atmet tief.

“Ist es dein erstes Mal?” frage ich. Sie nickt.

“Das haben wir alle erlebt, wir alle, die jetzt in diesem sterilen Warteraum sitzen. Ich habe überlebt. So eine grosse Freude hat meinen ganzen Koerper gefangen als mein erstes Mal vorbei war. So eine grosse Erleichterung. Und dann wieder nach Hause und die Sympthome sind schnell wieder gekommen. Es hiess, ich soll Geduld haben aber ich hatte keine Kraft zu verstehen, was mit mir überhaupt passiert, wo hätte ich die Kraft für die Geduld finden sollen? Das war nur das erste Mal und kurz danach war es mir mehr als klar, dass irgendwann wäre dieser Ort mir altgewohnt geworden. Es wird dir ein paar Mal noch schwer fallen aber irgendwann gewöhnt man sich dran, glaub mir. Ich komme immer wieder und die Angst nimmt jedes Mal ein bisschen ab, geht ein Schritt zurück und lässt ein bisschen mehr Raum für andere Gefühle.

Die Hoffnung, die bleibt immer, auch wenn man fest überzeugt ist, dass man sie einmal für immer verloren hat, auch wenn man glaubt, dass man selber verloren ist. Ich glaube es nehmlich, dass ich verloren bin aber mein Psycheter nicht. Er hat noch ein paar Zweifeln. Ich gehe jedes Mal hin mit der selben Hoffnung, dass er versteht, wie verloren ich bin. Immer der selbe Ablauf findet statt. Er geht durch das Wartezimmer zur Rezeption, kommt wieder raus und mit ernster Stimme ruft: “Frau Fulli?”. Ich beeile mich, ich kann doch keine Sekunde verschwenden, um meine Überzeugungstrategie durchzufuehren. Aber wenn wir in seinem Zimmer sind, muss er erstmal die Fenster zu machen und einen selbstverstaendlichen Nehmensieplatz aussprechen. Jetzt fange ich endlich mal an. “Wie geht es Ihnen, Frau Fulli?” betont er. “Nicht gut. Gar nicht. Ich weiss nicht mehr, wo ich mich befinde, verstehen Sie? Ich bin ver-lo-ren. Ich habe Depersonalisierungsprobleme, Depressionsympthome, Derealisationsphaenomene, Angstanfaelle, Albtraeumeattacken, Selbstmordgedanken, Antriebsarmut, gierige Bedurfnisse, Verwirrungswahrnemungen, Gedankenstoerungen, Konzentrationsmangel, Sprachdefizite, Bewegungseinschrenkungen, Schlafstoerungen, Aufstehlustloesichkeit, Apathie, Affektiveverwirrungen.” . Er nickt und tippt alles auf dem Rechner. “Frau Fulli” sagt er schnell, bevor er den für mich wohlverdienten Satz ausspricht “Ihre ist eine komplizierte Situation, nicht im Sinne von Gefährlich sondern im Sinne von komplex aber ich würde jetzt an den Medikamente noch nichts ändern”. Ich bin enttäuscht, jedes Mal, wenn er mit diesem Satz kommt. Habe ich es etwa verdient? Ich bekomme einen Termin erstmal in zwei Wochen wieder. Wie soll ich bis dahin meine Hypochodrie ernähren? Habe ich es mir wirklich verdient? Nein ist die Antwort, deswegen werde ich meine Strategie erstmal nicht ändern, wie die Medikamente, und ich gehe zur offenen Sprechstunde am Donnerstag wieder hin. Der selbe Ablauf: “Frau Fulli?” und die Fester und wieder meinen Namen und die selbstverstaendliche Frage und ich “Schlecht, sehr sehr schlecht. Ich habe den Eindruck, ich bin ständig am kämpfen gegen die Konzentrationsdefizite, die Affektiveeinschrenkungen, die Antriebslosigkeit, die Derealisationsprobleme, die Angstattacken, die Albtraeumeanfelle, die Schlafmangel, die Depersonalisierungsphaenomene, die verwirrte Wahrnehmungsstorungen, die Gefuehlarmut etc etc” und er schreibt und schreibt und schreibt. “ Frau Fulli, Ihre Situation ist sehr kompliziert aber ich bin mir trotzem quasi sicher, dass es sich nicht um eine Psychose haldelt. Wenn Sie sich so depressiv fuehlen, wuerde ich Ihnen die Paroxetindosis auf 30 mg erhöhen.”. Endlich, das ist doch die Behandlung, die ich mir mit so viel Leiden verdient habe. Jetzt muss ich nur noch 2 Wochen warten, bis ich einen neuen Termin bekomme und die Medikamente anfangen zu wirken. Und jetzt heute bin ich wieder hier. Aber heute werde ich ihn überraschen, weil ich nähmlich eine neue Strategie entwickelt habe.”

Der Herr P. durchquert das Wartezimmer. Dann kommt er aus der Rezeption wieder Raus. “Frau Fulli?”, ich stehe auf, das Mädchen nehmen mir gugkt mich kurz an. Ich schicke ihr ein nettes Gucken zurück und folge dem Herrn P. in seinen Raum. Ich setze mich auf den schwarzen Sessel. “Frau Fulli, wie geht es Ihnen?” fragt er mich, wie die Routine will. “Wie soll es mir denn gehen? Ich lebe seit Jahren von abgetriebenen Traeumen, von verlorenen Vergangenheiten, von abgeleugneten Zukunfte, verwirrte Orientirungen, unerlebten Lieben, unterbrochenen Reisen, grauen Himmeln, aberkannten Wuerzeln, verfallenen Werten, veralteten Idealen, unverstandenen Zustaende. Wie soll es mir eigentlich gehen?”.

“Ich verstehe. Ihre Situation ist sehr komplex aber ich wuerde an den Medikamenten erstmal nichts ändern”.

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Melancholische Bezeugungen

Der Geruch der alten Sachen. Die alten, kaputten Sachen erinnern mich daran, woher ich komme. Die erinnern mich daran, dass die Zeit vergeht und doch immer da ist. Der Geruch der alten Wunden. Ich bin am Leben, wieder und so neu, ich bin am Leben, dieses Wunder. Immer noch am kaempfen, gegen mich, gegen die Konflikte, die Unordnung bringen, gegen die Vergangenheit, gegen die Wunden. Diese Narben, die immer wieder bluten, die immer wieder schmerzen. Ich kann nichts dafuer, dass es weh tut, sage ich der Gesellschaft. Doch ist es ein stimmloses Schreien. Manche gehen weg, sie kommen auf diese Reise nicht mit, es ist ihnen zu schwer, weil sie es sich nicht erlauben. Ich schreie lauter, ohne Stimme. Ich habe keine mehr. Ich kann nichts dafuer. Der Schmerz kommt, wann er will. Abends, wenn ich im Bett liege und es gerade wieder geschafft habe, einen Tag hinter mir zu lassen, abends kommt die Melancholie und nimmt mir alles weg: Die Traene, die Stimme, die Kraft zu kaempfen. Ich tue mein Bestes und schliesse die Augen, lasse den Schmerz das sein, was er ist: Traene, stimmloses Schreien, Kraft die nachgibt. Es gibt Worte, die man nicht ausprechen darf. Dabei ist es so schade, es nicht zu erlauben. Sich nicht zu erlauben, dass es Menschen gibt, die immer wieder sterben muessen, um wieder auf die Welt kommen zu duerfen. Es gibt eine Krankheit der Seele, sie nennt sich Depression und sie ist Teil meiner Gesundheit. Ich lebe damit und jeder Tag, an dem ich meine Fuesse vom Bett auf den Boden bringe, ist fuer mich ein erfolgreicher Tag. Damit habe ich sehr viele erfolgreichen Tage hinter mir, viel mehr als ich sie ohne die Depression gehabt haette. Ich darf am Fenster rauchen und die frische Luft wahrnehmen, die mir Zeigt, dass heute ein guter Tag ist. Dass ich mir heute wahrscheinlich mehr als gestern erlauben kann. Es gibt eine Krankheit der Seele, die nennt sich Depression und die erlaubt mir jetzt wieder zu lernen, wie man laeuft, wie man aufrecht laufen kann. Es kostet Kraft, viel mehr Kraft, viel mehr als die, die man sonst braucht. Wahrscheinlich bin ich dabei mich zu befreien, von den alten Wunden. Wahrscheinlich nicht. Aber ich liebe dieses Leben, das Neue, das Alte. Ich liebe es, dass es Menschen gibt, die mich begleiten, die ich begleiten darf. Ich liebe meinen Sohn, der mir eine zweite Chance gibt und mich immer wieder daran erinnert, was eigentlich an diesem Leben schoen ist. Ich liebe meine vergangene Gegenwart, die ich nicht loslassen kann, sonst schmerzt mir wieder die Melancholie. Ich liebe es, wenn ich es schaffe zu weinen, wenn ich mit vollem Herzen mit jemandem lachen kann. Ich liebe es, dass es trozt allem mich immer noch gibt.

“L’offesa più atroce che si può fare a un uomo è negargli che soffra.”  Cesare Pavese

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Geborgenheit

Geborgenheit. Alles hat aufgehoert. Die Abende voller Laerm, die nassen Naechte im Bett alleine,
in denen ich keine Hilfe gefunden habe, die Rueckkehr nach Hause mit dem Geruch der ZIgaretten,
der an mir immer noch klebt. Geborgenheit. Es ist alles vorbei, alles hinter mir. Du richst so gut,
mein Kleiner, wie ein Wesen, das in sich noch keine Suende traegt. Du richst so gut, hier von mir
geborgen, du richst nach vergangenen Tage, die vergessen wurden. Deine weiche Haut, mein
Kleiner, deine weiche Haut. Du schlaefst neben mir und ich fuehle mich wie im Himmel. Ich habe
alles vergessen, hier bei dir. Die Abende voller Laerm, die traenennassen Naechte im Bett alleine,
der Geruch der kaputten Flaschen auf dem Boden, die Aufregung in der ersten Morgenstunde nach
einer schlaflosen Nacht. Alles vergessen, diesen Unsinn. Und jetzt bist du da, und alles hat jetzt
seine Bedeutung. Du schlaefst hier neben mir und ich fuehele mich wie im Himmel. Dein Leid ist
mein Leid und deine Freude ist mein grosstes Geschenk. Guck, mein kleiner, guck dahin, da
wachsen die Rosen unter diesem schoenen Licht des Suedens. Hier ist das Leben und das Leben ist
in dir. Langsam verlaesst sie mich, nach und nach, diese abstruse gelernte intellektuelle Sprache, die
so gut wie nichts bedeutet. Langsam verlaesst sie mich, nach und nach, diese abstuse gelerne
intellektuelle Sprache, die so gut wie nichts bedeutet, da sie keinen Sinn in sich hat. Du bist der
Sinn. Und seitdem du da bist, haben die Worte wieder ihre ursprungliche bedeutung gefunden.
Geborgenheit.
Ich wuerde dir gerne etwas wahres sagen. Wie damals. Aber das habe ich verlernt. Und jetzt bin ich
wieder da, in der hecktischen Stoemung der ueberflussigen Sachen, die Aufregung schenkt. Jetzt ist
wieder alles in Bewegung und ich nehme dich mit, in diese alte Welt und zum ersten Mal in meinem
Leben habe ich Angst vor dem, was ich schon kenne. Ich wuerde es so gerne nicht wissen, was da
draussen auf mich wartet. Ich wuerde so gerne unerfahren sein und deinen unschuldigen Blick
nutzen zu duerfen. Ich halte die Vergangenheit so fest in meiner Hand und ich wuerde so gerne die
Zukunft frueher ankommen lassen. Stattdessen bin ich hier und ich weiss nicht, was hier sein
bedeutet, weil ich nicht weiss, wo ich bin. Dazwischen, zwischen der heilen Welt bei dir, mein
Kleiner, und der Welt der ueberflussigen Stoemung, die alles wegbringt. Dazwischen, zwischen der
Geborgenheit, die uns so nah in der Symbiose gehalten hat und der Welt der ueberflussigen Sachen,
die nur Aufregung schenkt. Hier, zwischen dem Wesentlichen der vergangenen Tage bei dir und der
unwesentlichen normalen Welt, die sich nicht vermeiden laesst. So ist das Leben, sagen sie mir. Ein
Stueck muss man immer aufgeben. Ein Stueck Schoenheit fuer ein bisschen Freiheit, ein Stuck
Geborgenheit fuer ein bisschen Glueck, ein Stueck Freude fuer ein bisschen Sicherheit.
Und schliesslich wirst du sein, mein Kleiner, der der weggehen wird. Du wirst derjenige sein, der
von mir weggehen wird, um der Stroemung der ueberflussigen Sachen zu folgen, die Stroemung,
die sich nicht vermeiden laesst.

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Kristallartig

Per questo devo dirti ciò ch’è orrendo conoscere:
è dentro la tua grazia che nasce la mia angoscia.

Ich suche dich. In allen Menschen, denen ich begegne, in allen Menschen, die mir etwas beibringen koennen. In den Menschen, die das Gewicht der Klarheit tragen, die haeufig schwer sein kann.
Ich suche dich da, wo es dich nie gab, in diesem fremden Land, wo du immer nur auf der Durchreise bist. Hier gab es dich nie und ich suche dich. Weinrot. Eine weiche Geste, die sich auf der Haut vollkommen wahrnehmen laesst. Meine Kindheit bei dir. Bei dir wollte ich sein. Du warst die Welt und die Welt war in dir. Gestalt und Geist. Du warst muede und hast deinen melancholischen Blick der alten ungeheilten Wunden auf das Wahre gelegt. Ich habe gemocht, dir helfen zu koennen. Die schweren Taschen voller Gemuese des Marktes, bei der heissen Sonne zu tragen und dann schnell nach Hause, wo alles bei dir immer noch so sicher war. Eine Art Geborgenheit, die ich immer suchen werde. Bei dir, aber dich gibt es nicht hier. Du bist du und ich bin ich geworden.
Ich vermisse dich. Wenn ich kaum atmen kann, vermisse ich dich noch mehr. Dich gibt es nicht hier. Und ich bin hier, alleine mit mir selbst und meinem neuen Leben. An dich dran wuerde ich gerne kommen aber es gibt eine Welt dazwischen. Die Welt, die du bist. Das durchsichtige Wasser des Meeres auf der Insel Elba. Die Bluete der Magnolie, die ich von dem Fenster der Kueche an vielen Sommerabenden bewundert habe. Und heute bist du wieder ein bisschen da, weil ich weiss, morgen wirst du dich wieder auf den Weg machen, auf den Weg zu mir. Weil es mir nicht gut geht, hier, wo es dich nicht gibt. Staendig auf der Suche einer Liebe, die der Vergangenheit gehoert, eine gelernte Liebe, um der Welt etwas zurueck zu geben, eine Art Geborgenheit, in der sich die anderen wohl fuehlen. Ich warte. Still, diskret. Hier. Ich warte, dass ich so geliebt werde, wie du es getan hast. Ich vermisse dich. Ich verpasse dich. Die neuen Jahre deines Lebens, ohne dir helfen zu koennen. Verzeih mir, alles ist so verwirrt und ich irre hier umher, unter meinen Verwirrspielen. Es gibt keine so aehnliche intensive Liebe, die ich bekommen kann, ausser in mir selbst. Es gibt so wenig von dir, so wenig Italien, so wenige Tage bei dir. Und du laesst dich von deinen Sorgen ueberweltigen und du merkst nicht mehr wer du bist: elegant, melancholisch, liebevoll. Jedes falsche Wort schafft eine Wunde in mir und du glaubst nicht mehr an mich. Ich habe dich villeicht zu haeufig enttaeuscht: Ich bin wahrscheinlich nicht die effiziente Mutter, die du dir gewuenscht hast. Aber mindestens so liebevoll, wie du zu mir warst. Wahrscheinlich habe ich meinen Weg nicht so klar vor Augen, weil ich die Kunst in allen Varianten liebe. Aber ich liebe sie, mindestens so sehr, wie du es mir gezeigt hast. Vielleicht kann ich nicht so gut auf der Welt sein, ich bin nicht so gut, dass ich mir Platz schaffe, da wo es fuer mich keinen gibt. Aber ich bin so diskret, mindestens so viel wie du es mir beigebracht hast. Und ich habe das klare Denken, das, was mich gerade rettet, was du mir vollstaendig ohne Rueckkehr geschenkt hast. Verzeih mir. Ich trage dich und den Schmerz der Welt und meiner einsamen Kindheit in mir drinnen. Deine Fehler und deine Reichtuemer. Und die Liebe, die sich zwischen uns manchmal so verdunkeln laesst, die gebe ich weiter.
Ich behalte dich bei mir.
An meine Mutter

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Fruehlingserfahrung

Sie haben mich hierher gebracht. In diese unbekannten Raeume. So weit, wo ich selber nie angekommen waere. Sie haben mich hierher gebracht. Es ist sonnig, nach dem Sturm. Ich fasse die weissen Waende an. Es fuehlt sich gut an, stabil und rau. Ich stuetze mich dagegen. Es fuehlt sich gut an, angekommen und noch wach. “Das ist die Erfahrung der Schwelle”. Das kenne ich doch. Aber hier war ich noch nie.
Sie haben mich hierher gebracht. Ich hatte Ihnen vertaut und Ihnen meine Hand gegeben. Doch sie wussten nicht, dass ich ein Wesen der Sonne bin, dass ich ihr gehoere. Den Regen braucht man nur zum Laeutern, und davon habe ich jetzt genug. Lassen Sie mich nicht hier, ich will zurueck. Lassen Sie mich nicht alleine, ich mag nicht alleine sein. Manchmal habe ich nur Angst, dass die Leute mich zu wenig lieben, manchmal brauche ich etwas neues, neue Leute, die mich anders lieben. Manchmal brauche ich die Schwelle.
Diese Waende, ich habe mich daran gewoehnt. Sie haben die Schoenheit von den neuen Sachen, sie riechen anders und darus kommt eine neue Inspiration rein. Es gefaellt mir, aber ich muss mich festhalten.
Es war als ob ich in der Vergangenheit gelebt haette. Dann ploetzlich kam mir mein ganzes Leben vor die Augen und zeigte sich. Alles ist vergangen ausser das, was bleibt.

“Poi deposita il peso, quell’ammasso
impigliato nella profondità,
quel salutare spasimo di fuga.

Tutta l’alba è lì vicina.
Arriva dentro la camera
col suo raggio nuovo e consola
un poco d’essere restati.”
Mariangela Gualtieri

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Das Leben auf der Haut

Ich habe mich versehentlich verletzt. Ich weiss nicht mehr, wann es passiert ist. Ich kann mich nicht mehr daran erinnern, aber es tut weh. Hier, zwischen dem Bauch und dem Hals. Ich spuere es, wenn ich abends die Augen schliesse. Ich sehe mich, ich kann mich sehen. In meinem brauenen Mantel. Zart. Ich gebe mir die Hand, waehrend ich da mit feuchten Augen laufe. Es tut weh. Ich gebe mir die Hand. Ich strecke meinen Arm zu mir aus und liebevoll sage ich zu mir:
“Komm, wir gehen weiter. Dieses Leiden ist ein Ort, den wir kennen aber er gehoert uns nicht. Ich verzeihe dir.”
Ein Tropfen salziges Wasser begleitet das Leiden am Ende meiner Backe. “Ich haette mich nur verteidigen sollen aber das haette mir zu viel Kraft gekostet”. Ich verzeihe mir.
Ich sehe mich. Ich kann mich sehen. Meine ganz helle, ganz duenne Haut. Ich sehe meine grosse Augen.
“Ich liebe das Leben” sage ich zwischen den Schluchzern.

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Ohne Name 1.

Es gibt Orte, in denen ich mich immer Wohl fuehle. Einer davon ist ein weisses Blatt.
Die Lebensabschnitte, die ihre Spuren auf der Haut lassen, nehmen hier die Form der Worte. Und mehr als die Menschen, sind es die Geschichten, die Erzaehlungen, die benutzten Worte, die mich begeistern oder entaeuschen. Aber hier darf alles sein. Sogar das, was man verpasst hat, darf hier wieder gefunden werden.
Die Substanz. Dieser Faden, der alles verbindet ist manchmal so subtil und weit entfernt, dass ich ihn gar nicht greifen kann. Dann kommt es wieder. Es kommt wieder, dass die Geschichte weiter geht, dass die verlorenen Gesichter ploetzlich wieder auftauchen und sich in neue Worte fassen, solche schoenen Worte, bei denen man sich wieder erkennen kann, in so einem schoenen Spiegel der unbekannten Realitaet.
Dann reicht es mir. Ich will alles wieder sehen, alles sehen, so wie es war. War es so? Wo hoert meine taeuschende Wahrnehmung auf und wo faengt die taeuschende Realitaet an? Wann wird endlich einmal fuer immer die Zeit der Offenbarung kommen?
Nie. Ich kann hier antworten und sagen, nie. Rot. Blau. Schreiben und malen haben viel gemeinsam.

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Numeri sociopatici

La vita è drammatica, la non vita è quita. Questa è la sintesi che ha fatto Francesco di un discorso molto lungo, così lungo che rimane ancora aperto. E io, pessima scrittrice, devo di nuovo dare sfogo alle mie frustrazioni e scrivere sull’onda della rabbia, del dolore, di quel sentimento indefinito e indefinibile che mi accompagna verso queste pagine.
Se qualcuno mi chiedesse un parere su la vita all’estero, la sconsiglierei senza remore. Forse è solo la mia esperienza, forse è l’indubbia incompatibilità culturale tra Germania e Italia, forse è solo che sono stanca e incazzata, ma stasera non so dove sbattere la testa. Se mi sforzo di cercare un contesto nel quale possa sentirmi a mio agio, un’isola felice dove possa continuare a illudermi che la vita in questo paese possa persino essere gradevole, non esagero se non dico che non ne trovo mezzo. E torna su quel groppo allo stomaco dei migliori giorni della mia adolescenza, quando a qualcosa, spesso per colpa di qualcuno, non trovavo rimedio. Sarà sempre così, mi dico. Ormai il danno è fatto. In Italia non c’è più nessuno. E in Germania non c’è nessuno a prescindere. E non voglio nessuno, se devo temere di essere invasiva a chiamare una persona più di una volta a settimana, se devo sentirmi dire che “es war schoen” la serata passata insieme, da persone che reputo, almeno sulla base di quella piatta nullità di rapporti che altrimenti mi circondano, amiche e mi domando se c’è bisogno, se c’è davvero bisogno di specificarlo ogni volta, come se ci fosse la possibilità che vedersi possa non essere bello, come se si trattasse di una prestazione da parte di entrambi. Ma di che cosa stiamo parlando?
Vabbe’, Noemi, dai. Sono convenzioni culturali. E ci sto. Ma ogni tanto un agguato di consapevolezza mi porta a pensare che forse non ha senso. Non ha senso sentirsi tesi quando si incontra qualcuno per strada e si ha voglia di parlare di qualcosa con il perenne timore di disturbare. Una parola di troppo, due, tre e già mi stai rompendo il cazzo. Ma no, un tedesco non userebbe certi termini. Sarebbe troppo leidenschaftlich. E leidenschaftlich vuol dire imperfetto. Devi essere grigio, o meglio bianco. Possibilmente con delle cifre tatuate sul braccio al posto del nome. Esagero, ci godo. Entro nel tabu di una storia mai passata, perché il passato non si mette da parte in libreria, il passato è parte di questa gente, che gioca al gioco della perfezione. Non ha senso, non ha senso il cercare la vita altrove, dove non ci sono persone. Non ha senso essere trattati da scemi, solo perché si è venuti qua a lottare tutta la vita con una geografia irreale. Non ha senso aggrapparsi tutta la vita ai primi ventitre anni e cercare di fare forza su questi. Sono solo ventitre, non posso aver vissto così tanto in ventitre anni. E infatti qui sono quella che non fa niente, quella senza titoli, senza attività sportiva o capacità che diventi segno particolare. Ho fumato sigarette, tante, se ci fosse un riconoscimento per questo ce l’avrei. Ho vissuto la vita come meglio potevo, cercando di non perdere la spontaneità che avevo, la sincerità dei sentimenti. Ho cercato di migliorarmi. Da un momento della vita in poi, l’ho fatto in maniere sistematica. Se ci fosse un attestasto per questo, ce l’avrei. Ho vissuto tutto intensamente e gioito per ogni cosa nuova che imparavo. Se ci fosse un attestato per questo, ce l’avrei. Ho imparato ad amare le persone attraverso i loro racconti. Ho imparato ad amare e a non pensare. Ché se si pensano le persone non si amano. Se ci fosse un attestato per questo ce l’avrei. Poi ho dovuto mettere tutto da parte. La scrittura, il teatro, l’amore per la vita e la gente. L’odio per il mio paese. E ho accolto una lingua nuova, che mi dà la nausea. E se ci fosse un riconoscimento per i cambiamenti radicali, anche questo ce l’avrei. E ora non so più chi sono. E mi prendono per il culo. Come quella che mi ignora per strada e se ne vergogna talmente tanto, ma talmente tanto che su facebook mi scrive di avermi visto un paio di volte in città, ma io non ho reagito al suo saluto. Una codardia da urlo. Così da urlo che stavolta metterò le cose in chiaro. Senza titoli sì, ma cogliona ci sarai.
Purtroppo non mi vengono in mente parole migliori per concludere questo post.

Se parlo della Natura non è perché so cosa essa è,
ma perché la amo, e la amo per questo,
perché chi ama mai sa quel che ama
né sa perché ama, né cosa è amare…

Amare è la prima innocenza,
e l’innocenza tutta è non pensare…

(Fernando Pessoa, Un’affollata solitutine)

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Dazwischen

La prima sera ci fu la pioggia
nera assordante –
ed io al crocicchio,
a decifrare nomi
di strade sconosciute –
sola alle soglie
di una città nuova,
sola con la mia preda
di felicità – con l’eco
della tua voce.
(Tre Sere, Parole, Antonia Pozzi)

Ich hatte eine intensive Woche. Meine Wochen waren schon lange nicht mehr so intensiv. Meine Gespraeche waren schon lange nicht mehr so intensiv. Ich hatte eines Tages den ploetzlichen Eindruck, dass ich von vielen intensiven Gespraechen hier in Deutschland so viel gelernt hatte, wie in wenigen ausgetauschten Worten mit wichtigen Menschen meiner Biographie. Worte, die ich immer noch mit mir trage, obwohl ich nicht mehr genau weiss, wo sie sich in mir drinnen befinden. Die Erzaehlung von meinem Leben hat irgendwann aufgehoert sich zu entwickeln. Schwer ist es zu sagen, wo die Zeit aufgehoert hat weiter zu funktionieren.
Ich hatte eine intensive Woche und ich habe jetzt den Eindruck, dass irgendwas sogar hier weiter geht. Ein ganz kleiner Schritt weiter, dahin wo ich nicht weiss, wohin es weiter geht. Ein kleiner Schritt weiter und ich merke, ich bin es nicht mehr. Ich bin nicht mehr das, was ich war und kann nicht mehr sagen, wer ich war, da ich es nicht mehr bin. Ich bin nur noch mein Schicksal ich zu sein aber nicht meine Wuensche, die mich zu dem machen, was ich bin.
Ich bin es immer noch: Die, die auf der Suche nach den Worten der verlorenen Dichter ist.
Ich bin es bestimmt noch: Die Noemi, die nicht nein sagen kann und manchmal koennen die Menschen, die es gerade schwierig haben, kurz ihren Kopf auf meiner Schulter aufstuetzen und kurz tief atmen, dass es noch diesen sicheren Hafen gibt.
Ich bin noch… von wenigen Dingen ueberzeugt, wie, dass jeder Mensch sein schweres Kreuz traegt, das ich im sehr wenig hochgemeinten Sinne Schicksal nenne. Aber nicht ein goettliches Schicksal, sondern ein ganz menschliches. Ich bin die, die ich bin und ich werde es immer sein, auch wenn ich es nicht mehr bin, auch wenn ich denke, ich bin es nicht mehr. Ich warte und werde immer warten. Ich kann nicht nein sagen und werde es nie koennen. Und zu diesem Schicksal gehoeren alle Menschen, die mit mir zu tun haben und deswegen auch ein aehniliches Schicksal haben werden. Jeder hat seine Kunst, aber nicht alle sind Kuenstler.
Ich bin noch die, die an die zukuenftige Rueckkehr glaubt. Ich glaube noch, an die Rueckkehr von den nicht gelebten Lebensabschnitten, die man sich selber nicht erlauben konnte. Ich glaube noch an die Wuensche, die sich nur wenige noch leisten koennen, an die Traeume besserer Welten, an die Leute, die mich auf der Strasse ansprechen. Ich bin immer noch die, die wartet, dass irgendwas sich bewegt und immer wieder sich erneuert, um wieder auf die Welt zu kommen, um sich noch leisten zu koennen, sich zu wundern.
Ich hatte eine intensive Woche. Ich war sehr viel bei mir selbst, so viel, dass ich bemerkt habe, wie ich mich vermisse. Ich habe mich so sehr vermisst, dass ich nicht mehr weiss, wie ich es weiter machen soll, ohne mich.
Ich war fast ein Monat lang in Italien. Als ich zurueck gekommen bin habe ich gedacht, ich sei jetzt endlich wieder zu Hause. Es war dunkel, es war ein dunkler kalter nasser Abend. Ich habe das Fenster aufgemacht und ich habe es wieder gefunden: Hier ist ueberall und ueberall ist hier. Das war sehr unpraezise von mir. Jetzt merke ich, dass es nirgendwo war und nirgendwo war da. Ich bin nirgendwo. Ich war nicht in Italien und ich bin jetzt nicht hier. Ich bin dazwischen aber dazwischen gibt es nicht. Oder wahrscheinlich gibt es das doch, aber es ist nichts, was man so benennen kann. Lustig waere, wenn jemand mich hier fragen wuerde, woher ich komme und ich antworten wuerde, dass ich es nicht mehr wisse, aber dass ich jetzt dazwischen bin, zwischen Deutschland und Italien, zwischen den falsch ausgesprochenen Worten und denen, die mir nicht mehr fuer meinen Alltag helfen. Zwischen der Vergangenheit, die vergessen wird und immer weniger Gewicht hat, und der Gegenwart, die ein enormes Gewicht ist, das ich manchmal gar nicht tragen kann. Zwischen Verhaeltnissen, die ich zu schnell erkenne und langweilig finde, und Verhaeltnissen, die mich verwirren und in dem Charme des Unverstandenen bleiben. Ich bin zwischen der unterbrochenen Erzaehlung und der nicht wieder aufgenommenen. Ich bin zwischen meinen Wuenschen, die ich nicht mehr kenne und den neuen, die ich suche. Ich bin auf der Suche.

Stasera la nebbia, candore sordo,
intorno al tremito della mia
attesa – velo
sulla parola non detta,
difesa – per la paura del tempo,
per la fretta
di vivere.
Pausa – Di nebbia s’avvolge
il cuore
colmo e sospeso,
per non udire
i suoi battiti.
(Tre sere, Parole, Antonia Pozzi)

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